
Ein erster Schritt in die Welt der Schwerelosigkeit wäre also getan. 16 Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe acht nahmen die Gelegenheit wahr und probierten (sich) aus, wie das so ist, im Wasser mit Ausrüstung auf dem Rücken und Flossen an den Füßen. Schon lange war es geplant und am 21.01.2025 hat es endlich geklappt.

Tauchlehrer Michael Thüringer vom Tauchsportzentrum Nordhausen führte in die Basics ein, die da wären: Es heißt nicht Taucherbrille, sondern Maske. Auf dem Rücken wird keine Sauerstoffflasche getragen, sondern eine Pressluftflasche. Denn da drin ist ganz normale atmosphärische Luft mit 21% Sauerstoff. Nur der Feuchtegehalt ist etwas geringer als in unseren (mittleren) Breiten, weshalb der Mund auch etwas trocken wird. Weitere Basics: Tauchen ist nur unter Wasser schön. Denn die Ausrüstung ist schwer, ca. 30kg mit allem Drum und Dran. Aber unter Wasser ist man der Schwerelosigkeit am nächsten, ein mit nichts zu vergleichendes Gefühl. Daher trainieren angehende Astronauten auch im Tauchbecken und brauchen dafür eben einen Tauchschein. Egal, wo dieser gemacht wird, z.B. im Tauchsportzentrum am Sundhäuser See (Nordhausen), auf Jamaika oder in Ägypten, wer ihn hat, darf auf der ganzen Welt tauchen. Vielleicht auch außerhalb – wenn man Astronaut ist. Doch immer nur mit Partner! Das ist oberstes Gebot, alles andere ist fahrlässig. Daher war Herr Thüringer nach einer Crashkurs Einführung (für alle) immer mit drei Schülern im und unter Wasser. Einmal dort angekommen verliert die Hektik des Alltags an Bedeutung. Durchs Wasser schwebend kommt jeder bei sich an. Denn nur noch eines ist wichtig: im nicht für den Menschen als Lebensumfeld geschaffenen Element Gast sein, sich und das Medium spüren, den Blick in eine fremd erscheinende Welt genießen. Es gilt: Wer Gast ist, fasst nichts an, nimmt nichts mit und lässt nichts da - außer Blasen. Auch das sind Basics!

Wer über Basics hinaus gehen möchte, wird schnell merken, dass beim Tauchen fächerübergreifend schulische Inhalte zur Anwendung gelangen. Davon haben die 16 Teilnehmer nicht so viel mitbekommen. Das musste aber auch nicht sein, denn das Schnuppertauchen fand nach dem regulären Unterricht statt und so ein Schultag ist bekanntermaßen anstrengend. Doch wer (zukünftig) will, kommt ohne Physik nicht aus; Auftrieb, Verdrängung, Berechnung der zu verbrauchenden Atemluft … und das in Abhängigkeit vom Salzgehalt des Wassers. Grundkenntnisse bzgl. der eigenen Atmung sowie Wärmeverlust des Körpers sind Dinge, die die Biologie betreffen. Auch Biologie: unter Wasser ist allerhand Getier anzutreffen und auch Pflanzenwelt – Fauna und Flora also. Nebenbei gilt, wer mehr weiß, sieht auch mehr, das Tauchvergnügen ist dann um so größer. Somit ist auch geografisches Grundwissen relevant, nicht zuletzt für die eigene Sicherheit: Gewässerkunde, Gewässerzustand, das Relief unter Wasser, Strömungen in offenen Gewässern. Und dann natürlich Aspekte des Umweltschutzes, denn es wird ja nichts angefasst, mitgenommen oder dagelassen. Und weil, wer taucht, in Bewegung ist, betätigt sich sportlich und muss seinen Körper koordinieren. Musik scheint dagegen schwerlich mit dem Tauchen in Verbindung zu stehen, doch wer weiß? Kunst dagegen schon(!), zumindest im weitesten Sinne, denn beim Fotografieren geht es um Gestaltung, immer. Und Unterwasserfotografie ist eine eigene anerkannte Sparte im weiten Feld der Fotografie, schon seit 1856.

Somit scheint Schule endlich greifbar und konkret etwas zum Leben beizutragen, ganz lebens- bzw. tauchpraktische Dinge eben. Doch vor allem macht es Spaß. Und auch wenn vielleicht nur zwei der Schnuppertaucherinnen bzw. – taucher später die Astronautenlaufbahn einschlagen und daher ihren Tauchschein machen, hat es doch allen Freude bereitet, diese einmalige Gelegenheit genutzt zu haben. Vielen Dank an Micheal Thüringer – always dive on the bright side.