Wie macht man einen Comic?

Kunst verbindet und sowieso, Es lebe die Kunst! Es kann auch gar nicht anders sein.

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Nach wie vor ist der Buchmarkt im Schrumpfen begriffen, doch verglichen mit dessen Gesamtheit verkaufen sich Comics ganz hervorragend. Seit 2008 kommen zudem jedes Jahr mehrere Produktionen in die Kinos, in denen Helden in Strumpfhosen oder Rüstungen durch die Luft fliegen und ihre Gegner verprügeln.

Doch abseits dieses Mainstreams geht es auch anders, zum Beispiel an unserer Schule. In der Woche vom 16.06. – 20.06.2025 weilten Gäste bei uns und verbrachten die Woche im Keller (natürlich!), also fast im Keller, im hinterletzten Raum der Schule, im Kunstraum, dem Kunstkeller sozusagen. Manche haben sie vielleicht gesehen? Wir begrüßten die Comic-Zeichnerin, Autorin und Illustratorin Anne Zimmermann, die in Mühlhausen geboren wurde und gewissermaßen in der Welt zu Hause ist. Mit ihr waren handverlesene Grundschüler von der Sophienschule Körner sowie, ebenso handverlesen, Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen fünf, sechs und neun. „Wir“, das waren Frau Dölle, Direktorin der Grundschule, und der Autor dieser Zeilen.

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Hintergrund der einwöchigen, kreativen Schufterei ist ein gemeinsames Projekt beider Schulen, dessen Ziel es war, ein Comicheft zu produzieren. Keine Superhelden, sondern Sagen der Region sind das Thema der erzählten Geschichten: „Wie Schlotheim zu seinem Namen kam“ oder „Von der Kaiserfurt bei Bollstedt“ ebenso „Das wunderbare Bierfass“ und noch weitere drei Sagen.

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Im ursprünglichen Sinne wurden Sagen wortwörtlich weitergesagt. Nun wird es einen Comic geben, in dem Wort und Bild eine sequentielle Verbindung eingehen. Im Lexikon würde stehen: Zu räumlichen Sequenzen angeordnete, bildliche oder andere Zeichen, die Informationen vermitteln und/ oder eine ästhetische Wirkung beim Betrachter erzeugen sollen.

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Um das anzuleiten, wurde bei einem Profi angefragt. Die Anfrage war kaum vollständig ausgesprochen, als schon die spontane Zusage kam, verbunden mit dem Ausdruck von Freude, mit Kindern solch jungen Alters zusammen zu arbeiten und sich künstlerisch mit altem und, das war ihr ganz besonders sympathisch, regionalem Kulturgut zu beschäftigen. Der Impuls für das Projekt ging Anfang des Schuljahres 2024/25 von Frau Dölle aus. Sie fände es reizvoll und interessant, ein Schul - und Schulform übergreifendes Projekt durchzuführen. Die Anfrage ging an den Autor dieser Zeilen, denn es sollte ein Kunst Projekt sein. „Kunst verbindet!“ so Frau Dölles Motto und überhaupt und sowieso „Es lebe die Kunst!“ Der Regionalbezug war ebenfalls Bedingung. Nur hinsichtlich der Form existierten weder Vorstellung noch Idee. Doch nichts leichter als das – Comic. Es konnte nur Comic sein. Und schon nahmen die Dinge ihren Lauf.

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Über das Schuljahr wurde geplant, vorrangig über Videokonferenzen, denn wie eingangs erwähnt, Frau Zimmermann ist in der Welt zu Hause und war tausende Kilometer entfernt. Etappenweise näherte sie sich Deutschland, Mühlhausen und Schlotheim und am Montag war sie da: Kennenlernrunde, natürlich zeichnerisch, Crash Kurs in Sachen „Comics machen“ und „Comics richtig lesen“ (= sowohl Bildungsinhalt als auch Titel zweier Comics von Scott McLoud). Fächerverbindend ging es weiter; Lesekreis und Literaturgespräch, ein bisschen Geschichte und Biologie. Denn wer weiß schon, was ein Holzapfel ist? Zeichenübungen, Dramaturgie und Sequenzierung der Geschichte, Wendepunkt, Höhepunkt und zweiter Wendepunkt. Man kennt das ja. Oder eben nicht. Dann wurde es ge- oder erlernt und man war hinterher schlauer.

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Stilistisch wurde sich an Alberto Breccia angelehnt, einem, vielleicht auch dem prägendsten Comic-Zeichner Argentiniens. Collagen bilden die Grundlage der Panels. Lediglich die Figuren sind gezeichnet. Eher experimentell und weniger im Mainstream verankert und bekannt, dafür künstlerisch umso wertvoller und … eigentlich von Jeder und Jedem und altersunabhängig zu bewältigen. Das war das Tolle! Erfolgserlebnisse für alle!

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Zunächst wurde wild mit Farbe rumgekleckst, dass es eine Freude war. Ein Storyboard wurde entwickelt, Hauptfiguren entworfen oder einfach hingeschmiert. Aus den selbst hergestellten Farbpapieren wurden die Hintergründe collagiert. Die gezeichneten Figuren wurden ausgeschnitten und in die Collagen eingefügt ebenso die Sprechblasen. Und schon war Donnerstag bzw. Freitag, der letzte Tag und die Stunde der Wahrheit nahte. Nicht die Mitglieder jedes Teams stellten den anderen ihre Geschichte vor, sondern eine nicht in die jeweilige Geschichte involvierte Schülerin oder Schüler übernahm diese Aufgabe. Klappte das nicht, dann gab es Schwächen innerhalb der Logik des Ganzen. Denn Comics zu lesen erfolgt nach den dem Genre innewohnenden eigenen Gesetzen. Was im Roman der Text erledigt, muss im Comic von den Bildern geleistet werden, das Erzählen. Gab es nicht nachvollziehbare Brüche oder Lücken, musste nachgebessert werden. Die Dead Line näherte sich rasend schnell. Freitag 12.00Uhr – geschafft. Alles fertig.

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Wirklich alles? – Nein, nicht alles. Die einzelnen Zeichnungen müssen digitalisiert und auf einer Seite zusammengefasst werden. Eine Comicseite entsteht erst am Computer. Und dafür haben wir ja unseren Profi Anne Zimmermann. Und gut, dass so ein Laptop handlich ist, denn es zieht sie schon wieder heraus aus dem Thüringer Becken. Daten können von überall her verschickt werden. Sind sie da, werden sie zur Druckerei gebracht und dann, ja dann werden wir uns überraschen lassen…

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Ach und … unser Projekt muss einige Aufmerksamkeit erregt haben, denn im Laufe der Woche waren sowohl das Radio als auch das Fernsehen vor Ort, um jeweils einen Beitrag zu erstellen.

Es lebe die Kunst!

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